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Wissenschaftshistorisches Seminar im WS 201/11:

Naturwissenschaften in Tübingen

Bilder und Bericht 

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Aristoteles, ein Stück vom Mond und Zebrafische

 

Tübingen?  – Hölderlin, na klar! Hegel und Hesse? – Kennt man. Kepler? – Schon einmal gehört. Quenstedt und Gmelin? – Das sind doch Bushaltestellen. Dass Friedrich Miescher 1869 die DNA in der Schlossküche entdeckte, ist nur aufmerksamen Lesern von Informationstafeln bekannt. Welch bedeutende Rolle Hugo von Mohl 1863 für die Gründung der Naturwissenschaftlichen Fakultät spielte, wissen die wenigsten.

Leicht scheinen wir im Alltag zu übersehen, wie viele wissenschaftshistorische Schätze und vergessene Forschergrößen sich zwischen Tübingens Altstadtgässchen und Unibauten versteckt halten. Ein Besuch der Paläontologischen und Zoologischen Schausammlung, des Herbariums Tübingenses sowie der Mikroskopische Sammlung im Botanischen Institut und des Stadtmuseums können ungeahnt spannende Anekdoten aufdecken. Ein Aufenthalt in Leonardt Fuchs' ehemaliger Wohnstube im alten Nonnenhaus oder die Erlaubnis, im Anschluss an einen lebhaften Vortrag von Professor Seck über das Tübinger Universitätsarchiv sowie die Handschriftensammlung einmal in Keplers Originalschriften blättern zu dürfen, hauchen den alten Forschern neues Leben ein.

Wer erst einmal die naturwissenschaftliche Forschung aus einem historischen Blickwinkel betrachtet hat, begegnet der aktuellen Forschung auf eine ganz andere Weise. So kann die Tatsache, dass Marie von Linden 1892 bis 1895 die erste, nicht immatrikulierte Studentin Württembergs war, den Nobelpreis für Medizin, den Frau Christiane Nüsslein-Vollhardt 100 Jahre später für ihre genetische Forschung erhielt, in anderem Licht erscheinen lassen. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, welch beeindruckende Vielseitigkeit das Streifenmuster der Zebrafische – Nüsslein-Vollhardts aktuellem Forschungsobjekt – aufweisen kann, sollte sich eine Führung im Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie nicht entgehen lassen.

Auch den Mond einmal in 200facher Vergrößerung auf der Tübinger Sternwarte durch das Zeiss-Teleskop des Heidelberger Nobelpreisträgers Carl Bosch zu bestaunen, nachdem man in der Mineralogischen Schausammlung einen handtellergroßen Stein vom Mond in der Hand hielt, ist ein beeindruckendes Erlebnis.

Diese Erfahrungen machten sieben Studenten der Biologie, die im Wintersemester 2010/11 unter dem Motto „Wer hat was in Tübingen entdeckt?“ an einem in die Wissenschaftshistorie Tübingens einführenden Seminar teilnahmen. Unter der Leitung von Alfons Renz und Wolfgang Hoffmann beschäftigten sich die Teilnehmer des Seminars mit den Lebensläufen und Ergebnissen großer Tübinger Naturforscher und betrachteten diese „unter lokalhistorischer Sicht im Lichte der Erkenntnistheorie“. So ergänzte ein philosophischer Anteil, der sich mit von Herrn Hoffmann ausgewählten Höhepunkten der Erkenntnistheorie befasste, die Beschäftigung mit den Erfindungen und Entwicklungen der Biologie, Medizin, Physik und Astronomie zu einem vielseitigen und abwechslungsreichen Seminar.

Deshalb legen wir denjenigen Studenten, die ihre Universitätsstadt besser kennen lernen wollen und sich schon immer über die Anzahl der Zeiger an der Rathausuhr oder die verschieden gestalteten Türme des Schlosses gewundert haben, dieses außergewöhnliche Seminar sehr ans Herz.

                                                                        Janine Hofmann & Anne Sprink

Alfons.Renz@uni-tuebingen.de

Seminar Dienstags von 15 bis 17 Uhr (Grundlagen der Biologie) – Themen

12. Okt: Vorbesprechung und Themen (Tropenmed: Inst.)

19. Okt.: Stadtrundgang (Stöffler, Gmelin, Buzengeiger, Erbe, Bühler, Trapp), dann Boulanger

26. Okt.: Rudolf J. Camerarius (1665-1721; 17. Jhd): Die Entdeckung der Geschlechtlichkeit der Pflanzen. Tabuverletzung im pietistischen Württemberg.  

=> Stadtmuseum, 15 Uhr, dann Tropenmed.; Maria

2. Nov.: Leonhart Fuchs (1501-1566; 16. Jhd): Ad fontes! Revolution des Medizinstudiums und Kräuterbuch. Von der klassischen griechischen Philosophie zur Scholastik und deren Überwindung.

=> Nonnenhaus, (Herr Gumrich), Verena

9. Nov.: Carl-Friedrich v. Kielmeyer (1765-1844), Lehrmeister von Cuvier, und die Hohe Karlsschule in Stuttgart (18. Jhd): Kant und (r)evolutionäre Ideen im absolutistischen Württemberg.

=> Mineralogische Schausammlung, Wilhelmstr.; (Dr. Udo Neumann); Janine

16. Nov.: „Tübinger“ Nobelpreisträger: Butenandt, Bethe, Wittig, Nüsslein-Volhard u.a.

=> MPI, Waldhäuser Ost, Speemanstrasse; (Dr. Brigitte Walderich); Tanja

23. Nov.: Tanja Hugo v. Mohl (1805-1872): Protoplasma u. Gründung der ersten Math-Nat-Fakultät Deutschlands. Durchbruch d. beobachtenden, exakten Naturwissenschaft. Sammlung hist. Mikroskope.

=> Herbarium Tubingense der Botanik, Morgenstelle; (Dr. Jörg Stierhof); Anne


30. Nov.: Schickard und die Anfänge der Mathematik u. Astronomie;

=> Universitätsbibliothek, (Dr. Seck); Lars


7. Dez.: Franz Hilgendorf (1839-1904) und Evolutionstheorie am Beispiel der Schnecken und Ammoniten. Friedrich August Quenstedt (Geologe, Mineraloge u. Paläontologe 1809-1889):. Ammoniten des Jura als Indikatoren der Stratigraphie): Darwin, Haeckel  

=> Paläontologische Schausammlung (Kurator Phillip Havlic); Pascal


14. Dez.: Maria v. Linden und ihr Doktorvater Theodor Eimer (1890), Württembergs erste Studentin auf einem dürren Ast der Evolutionstheorie, der Orthogenie;

=> Zoologische Schausammlung (Dr. Erich Weber); Tanja

21. Dez.: vorweihnachtliches Seminar : Johann v. Bohnenberger (1765-1831) und die Vermessung Württembergs; Buzengeigers Maschinchen (Friedhofstr. 73, A. Renz)

11. Jan.: Okhams razor (Pascal); Höhlengleichnis (Maria); Kant, Kritik d. r. Vernunft (Lars)

=> Tropenmed. Inst.

18. Jan.: De Bary – Symbiosis (1879): Tübinger Parasitologen; Bilharz (Schistosomen, Tübingen & Kairo, 1850), Wucherer (Filarien, Tübingen, 1850) & Dubary (Doktorand bei Mohl); Alois Fröhlich (Ellwangen, 1796)  Eingeweidewürmer - die Geburt der Parasitologie; Parasitismus als spezielle Form der Symbiose. Welche Rollen spielen Parasiten als treibende Kraft der Evolution?

=> Tropenmed. Institut; (Verena)

25. Jan: Die Tübinger Astronomen und ihre Sternwarten: Schloß, Waldhäuser, Sand

=> Sternwarte Waldhäuser (Abends!), Astronomisches Institut Sand; (N.N.)

1. Feb.: Schlossberger, Hoppe-Seyler Miescher und das Schloßlaboratorium (1820-1880): Tübingen als Wiege der Biochemie und Physiologie. Friedrich Miescher (1844-1895): Entdeckung des Nucleins 1868. Wie Genetiker ihrer Zeit voraus waren. Liebermeister, Anfänge der Wahrscheinlichkeitsrechnung (
Anne)

=> Schloß Hohentübingen;  

 

 
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